Mehrsprachiger Onlineshop: was vorher zu klären ist

Ratgeber

Mehrsprachiger Onlineshop: was vorher zu klären ist

Die Übersetzung ist der einfachste Teil. Teuer wird ein mehrsprachiger Shop an den Stellen, an die vorher niemand gedacht hat: Adressen, Preise, Versand, Rechtstexte und die Frage, wer die zweite Sprache in fünf Jahren noch pflegt.

Die Frage vor allen anderen

Wollen Sie in ein anderes Land verkaufen, oder wollen Sie im eigenen Land eine zweite Sprachgruppe erreichen? Das sind zwei völlig verschiedene Vorhaben. Die zweite Sprachgruppe im Inland braucht Übersetzung. Das andere Land braucht ausserdem Währung, Steuersätze, Versandkosten, Lieferfristen, Rückgaberecht und Impressumspflicht nach dortigem Recht.

Die Schweiz ist hier ein Sonderfall: Deutsch, Französisch und Italienisch im selben Land, dieselbe Währung, dasselbe Recht. Das ist der günstigste Fall. Ein Verkauf nach Deutschland ist der teurere, obwohl die Sprache dieselbe bleibt.

Checkliste

Was vor der ersten Übersetzung feststehen muss

Technik

Adressen und Kennzeichnung

  • Je Sprache eine eigene Adresse, nicht eine Seite, die umschaltet
  • Sprachkennzeichnung im Quelltext, damit Google die Fassungen zuordnet
  • Gegenseitige Verweise zwischen den Sprachfassungen
  • Eigener Titel und eigene Beschreibung je Sprache, nicht übersetzt aus der ersten
  • Keine automatische Weiterleitung nach Herkunftsland des Besuchers
Kaufmännisch

Preise und Versand

  • Währung und Steuersatz je Zielmarkt
  • Versandkosten und Lieferfristen je Land
  • Zoll und Einfuhr bei Lieferungen über die Grenze
  • Zahlungsarten, die im Zielmarkt üblich sind
  • Rückgabe und wer die Rücksendung bezahlt
Rechtlich

Texte und Pflichten

  • Impressum nach dem Recht des Zielmarktes
  • AGB in der jeweiligen Sprache, nicht maschinell übersetzt
  • Datenschutzerklärung nach der dort geltenden Ordnung
  • Widerrufsbelehrung, wo sie vorgeschrieben ist
  • Produktangaben, die im Zielmarkt Pflicht sind

Die Kostenfalle

Die Pflege, nicht die Übersetzung

Eine Übersetzung ist eine einmalige Rechnung. Die Pflege ist eine dauerhafte. Jedes neue Produkt, jede Preisänderung, jeder neue Ratgeberbeitrag fällt ab sofort doppelt an. Wer das nicht einplant, hat nach einem Jahr eine zweite Sprachfassung, die nicht mehr stimmt — und eine veraltete Fassung schadet mehr, als gar keine zu haben.

Zwei Wege, die sich bewährt haben:

  • Klein anfangen. Nicht der ganze Shop, sondern die meistbesuchten zwanzig Seiten und der Bestellvorgang. Wenn die Nachfrage kommt, wird ausgebaut.
  • Trennen, was sich ändert. Produktdaten, die sich häufig ändern, lassen sich maschinell übersetzen und stichprobenweise prüfen. Seiten, die Vertrauen schaffen sollen, werden von Hand gemacht. Beides zu mischen ist der Fehler.

Maschinelle Übersetzung: brauchbar für Produktmerkmale und Listen, ungeeignet für Startseite, Rechtstexte und alles, was verkaufen soll. Der Unterschied fällt Muttersprachlern sofort auf, und er fällt genau dort auf, wo es teuer wird.

Häufige Fragen

Was Betriebe uns dazu fragen

Schadet eine zweite Sprache meinem Ranking?

Nur wenn sie falsch eingerichtet ist. Zwei Sprachfassungen unter derselben Adresse, fehlende Sprachkennzeichnung oder halb übersetzte Seiten erzeugen Doppelinhalte. Sauber getrennt und gekennzeichnet schadet eine zweite Sprache nie.

Reicht ein Uebersetzungsknopf auf der Seite?

Für die Bedienung ja, für die Auffindbarkeit nein. Was erst im Browser des Besuchers übersetzt wird, existiert für eine Suchmaschine nicht. Wer in der zweiten Sprache gefunden werden will, braucht eigene Seiten.

Welche Sprache zuerst?

Die, aus der bereits Anfragen kommen. Sehen Sie in Ihrer Statistik nach, aus welchen Regionen Besucher kommen und welche Seiten sie ansehen. Das ist belastbarer als eine Vermutung über den grösseren Markt.

Was kostet das ungefähr?

Der Aufwand hängt an der Zahl der Seiten und daran, ob Produktdaten strukturiert vorliegen. Einrichtung und Übersetzung lassen sich getrennt beziffern; wir nennen beides vor dem Start.

Kurz gefasst: Klären Sie zuerst, ob es um eine Sprachgruppe oder um ein anderes Land geht. Richten Sie eigene Adressen je Sprache mit eigener Kennzeichnung ein, planen Sie die Pflege mit, und fangen Sie mit den meistbesuchten Seiten an.